Udo Lehmann hat den Kampf gegen den Krebs verloren – wir werden ihn nie vergessen16.06.2007 Die Nachricht war ein Schock für alle, die ihn gekannt haben. Udo Lehmann, „Mister Wasserball“ nicht nur in Berlin, sondern eine bundesweite Institution der Sportart, ist tot. Am 9. Juni erlag er einem Krebsleiden, gegen das er lange gekämpft hatte und das er letztlich doch nicht besiegen konnte. Als er beim zweiten Spiel der Finalserie zwischen den Wasserfreunden und dem ASC Duisburg am 2. Juni im Forumbad noch mal dabei war, als „seine Jungs“ um den Titel kämpften, war er bereits so stark gezeichnet von der tückischen Krankheit, dass wenig Hoffnung blieb. Oft heißt es in Traueranzeigen, ein liebgewonnener Mensch sei von uns gegangen – das freilich stimmt nur auf ganz materielle Weise. Udo ist nicht von uns gegangen, er ist bei uns und er wird es immer sein. Auch, wenn er uns nun aus höherer Warte zusieht. Udo, wir werden dich nie vergessen! Als Würdigung für einen außergewöhnlichen Menschen und eine großartige Persönlichkeit soll hier ein längerer Artikel der im Frühjahr 2007 erschienenen Ausgabe des Wasserball-Magazins SPLASH stehen, der Udo Lehmann auf besonders treffende Weise porträtierte. Udo Lehmann - Ein Leben für den Wasserball Keine Pause für „Puse“ Als ihn im Vorjahr eine schwere Krankheit längere Zeit außer Gefecht setzte, da merkten im deutschen Wasserball viele sehr schnell und nachhaltig, wie sehr er fehlte. Udo Lehmann, Rundenleiter der DWL, Teammanager der Männer-Nationalmannschaft und außerdem noch in diversen „Kleinfunktionen“ aktiver Sportsmann, gehört zur Szene als festes, nicht wegdenkbares Inventar. Wo Wasserball gespielt wird, da ist auch Udo Lehmann. Oder umgekehrt, wo Udo ist, da wird auch meist Wasserball gespielt. Gerade hat er seinen 64. Geburtstag gefeiert, ein Tag an dem, wen wundert’s, sein Telefon nicht still stand. Freunde hat er jede Menge. Solche, die diesen Namen verdienen und die nicht nur in die Kategorie Schulterklopfer gehören. Das weiß der Pensionär zu schätzen, der 1998 nach 40 Dienstjahren bei der Post das Vorruhestands-Angebot annahm, um sich noch stärker und leidenschaftlicher seiner Wasserball-Passion widmen zu können. Zuverlässigkeit, Treue, Teamfähigkeit, Hingabe, die Bereitschaft zu geben – das sind Werte, die Udo Lehmann am Herzen liegen. Und die er, ohne mit großen Worten darüber zu palavern, wie es heutzutage gesellschaftskonform ist, durch eigenes Beispiel transportiert und vorlebt. Man wird schwerlich einen finden, der den regen, rührigen Spandauer nicht mag, der zwar in Schmargendorf geboren wurde, aber schon als einwöchiger Säugling sein Stammquartier nahe der Zitadelle bezog. Udo Lehmanns sportlicher Lebenslauf fängt früh an. Schon mit sechs Jahren wurde er Mitglied beim TSV 1860 Spandau - Turnen, Leichtathletik, Handball waren die ersten Testfelder, auf denen sich der Bewegungsdrang des „Berliner Jung’“ entlud. Noch einmal sechs Jahre dauerte es, dann war Udo Lehmann endgültig angekommen in seiner sportlichen Heimat – und es sollte eine Liebesbeziehung fürs Leben werden. 1955 wurde er ein Spandauer Wasserfreund, schon 1958 Riegenführer bei den Schwimmern und Wasserballwart. So rasant ging es weiter: gerade mal 21 war der junge Mann, als man ihn zum Sportlicher Leiter und für den gesamten Schwimm- und Wasserballbereich zuständigen geschäftsführenden Vorstandsmitglied schlug. „Nebenbei“ trainierte er auch noch die Wettkampfmannschaft. Als 1976 Lehmanns Spandauer Wasserfreunde und der SC Spandau 04 schließlich zu dem fusionierten, was heute in der Welt des Sports unter dem Namen Wasserfreunde Spandau 04 ein Markenzeichen von Qualität ist, da war er einer der eifrigsten Befürworter des Zusammengehens. Fast 20 Jahre war er danach bis 1995 Vizepräsident des Großvereins, dessen Wasserballwart für den Leistungssport und bis April 1998 Manager der Bundesligamannschaft. Zehn Jahre leitete er den Stützpunkt Wasserball in Berlin (1981-1991), er war Jugendsachbearbeiter Wasserball im Deutscher Schwimm-Verband, Mitglied im Verbandsausschuss Wasserball als Vertreter der Bundesliga-Vereine, seit 1. Mai 1998 schließlich Rundenleiter der Deutschen Wasserball-Liga (DWL). Dass er dann auch noch Teammanager des Männer-Nationalteams wurde, empfindet Udo Lehmann selbst wie einen Ritterschlag. Er hat mehrere Generationen von Wasserball-Spielern erlebt, und immer hat er sich wie zuhause in einer großen Familie gefühlt. Ganz am Anfang, bei den Wasserfreunden, da hat er im Tor gestanden. Von Erfolgen, wie sie die fusionierten 04er ab 1979 mit 26 Meisterschaften und vier Europapokalsiegen feierten, hat er nicht mal zu träumen gewagt. „Wir hatten nur einen Lederball und haben zum Teil noch in der Havel trainiert“, erinnert er sich und schüttelt dabei den Kopf, als könne er es selbst kaum glauben. Ihn und den Wasserball zusammen gebracht habe eigentlich sein Grundschullehrer Konrad Kellas, erzählt Udo Lehmann, dem dann später im Verein vom Vorsitzenden der Spitzname „Puse“ verpasst wurde. Manche, die ihn ewig kennen, nennen ihn noch heute so, was sich freilich dahinter verbirgt, vermag niemand so recht zu erklären. Kellas, mit dem Lehmann bis zu dessen 90. Lebensjahr im ständigen Kontakt blieb, war indirekt übrigens auch an der beruflichen Laufbahn seines Schützlings „schuld“. Er habe ihm erklärt, wie gut und sinnvoll Postsparen ist, berichtet unser Wasserball-Verrückter. „Das fand ich gut, und so bin ich fast folgerichtig nach der Schule bei der Post gelandet.“ Die den dort Beschäftigten vom Volksmund attestierte Behäbigkeit kann man Udo Lehmann freilich keineswegs nachsagen. Eher das Gegenteil. Die Erfolgsgeschichte der Wasserballer von Spandau 04 ist maßgeblich auch sein Werk. Er gehört zu den Gestaltern einer zumindest hierzulande sporthistorischen Einmaligkeit, die ihresgleichen sucht. Die großen Namen der Spandauer Wasserball-Geschichte, irgendwie waren es alles „seine Jungs“. Von Stamm bis Röhle, von Fernandez bis Reimann, von Ehrl bis Loebb. „Hagen Stamm habe ich schon gekannt, da war er noch gar nicht geboren“, scherzt er in Anspielung auf die lange Freundschaft mit der Familie. Der spätere deutsche Vorzeige-Wasserballer, heutige 04-Vereinspräsident und Bundestrainer ist für Udo Lehmann so etwas wie ein „Adoptivsohn“, mit dem ihn wohl mehr verbindet, als er mit Worten zu formulieren vermag. Der Verein und der Wasserball ganz allgemein, die seien „eben einfach mein Leben“, erklärt Udo Lehmann fast ein wenig hilflos auf die Frage, warum er sich all die Mühen und den Stress antue, statt ganz simpel mal nur die Beine hochzulegen. Dass die Erfolge inzwischen deutlich bescheidener ausfallen als noch in den 80er Jahren, als die Auswahl zweimal Europameister und 1984 Olympia-Dritter war und Spandau 04 gleich viermal Europas Meister-Cup gewann, hat seiner Begeisterung keinen Abbruch getan. „Bei Höhen zur Stange zu halten, ist einfach. Charakter hat, wer auch bei Tiefen da ist.“ Udo Lehmann will mit seinen Erfahrungen helfen, dass man über kurz oder lang wieder an alten Zeiten anknüpfen kann. Am besten schon in Peking bei den Olympischen Spielen 2008, für die man sich freilich erst mal qualifizieren muss. „Da ins Stadion einzumarschieren, das wäre ein echter Traum. Schon Athen war wunderbar. Ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde ...“ Für Udo Lehmann ist der Manager-Job bei der Nationalmannschaft wie eine Frischzellenkur. „Immerhin bin ich Mitte 60 und die Jungs vierzig Jahre jünger. Aber nachdem Hagen Stamm den Vorschlag gemacht hatte, nicht ohne auf meine Eigenheiten hinzuweisen, da wollten sie es so – und nun läuft es eigentlich bestens.“ Blieben noch die Eigenheiten. Die Frage danach muss erlaubt sein, Herr Lehmann! „Vielleicht bin ich ein bisschen altmodisch“, gibt er bereitwillig Auskunft. „Als ich gleich beim ersten Mal zwei Jungs mit Basecap am Tisch frühstücken sah, habe ich denen gesagt: Bei mir nicht. Seitdem ist das passé.“ Dass ER den Hut auf hat, will Udo Lehmann damit keineswegs zeigen. „Das ist ein Miteinander, und das macht es so schön.“ Er schätzt es, wenn große Spieler von einst etwas zurückgeben von dem, was sie in Aktiven-Zeiten vom Verein oder Verband empfangen haben. Hagen Stamm, Peter Röhle, Dirk Hohenstein, Peter Bukowski, allesamt Trainer, 04-Vizepräsident Carsten Kusch, Nationalmannschafts-Arzt Roland Freund – alles personifizierte Beispiele dafür, was Udo Lehmann mit dem Miteinander meint. KLAUS WEISE Udo Lehmann Geboren: 22. Februar 1943 in Berlin Gestorben: 09. Juni 2007 Wohnort: Berlin-Spandau Familie: 40 Jahre verheiratet mit Marianne, Tochter Stephanie (37) Ehrungen: 1965 Silberne Ehrennadel der Spandauer Wasserfreunde, 1976 Goldenes Ehrenabzeichen des Berliner Schwimm-Verbandes, 1980 Goldene Ehrennadel der Wasserfreunde Spandau 04, 1990 Ehrenplakette des Senats für besondere Verdienste um die Förderung des Sports, 1994 Ehrenplakette in Gold vom Deutschen Schwimm-Verband, 2002 Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. |
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